Am Mittage des 17. September des Jahres 1868 habe ich auf einem öffentlichen Platze einen armen Menschen ermordet.

Die rauchende Pistole in der Hand, mit verzerrtem Gesicht und klopfendem Herzen schlich ich in das Haus des Herrn Francesco Antonio Calzona, der mich mit dem Ausdruck der Achtung und des Mitleids empfing. […] Ich kletterte über die Einfassungsmauer des Gartens und fing an, wie Kain über das Feld zu laufen, verfolgt von dem Gebell der Hunde, während ein entsetzliches Röcheln mir zu folgen schien, das mir sagte:

»Was hast Du gethan, Du Mörder?!«

··· Mit diesen Zeilen beginnt der Verbrecher Antonino M… seine Selbstbiographie, in der er sein Leben rechtfertigt, seine Verbrechen und ihre Hintergründe beschreibt und sich unterdessen als einen Unglücklichen und vom Schicksal Verfolgten darstellt. Dass ihm rund 20 Jahre und etliche Straftaten später von einem Nervenarzt die Persönlichkeit eines geborenen Verbrechers attestiert wird, mag vielleicht weniger erstaunen als die Art und Weise, wie M… selbst sein Leben sehr gekonnt reflektiert und analysiert.

»Der Roman eines geborenen Verbrechers« von Augusto Guido Bianchi. Erschienen im Februar 2012 als erweiterte Neuauflage des Originals von 1894. Details zum Buch…

Auf halber Strecke zwischen Wien und Catanzaro,

Wolfgang Gosch & Virgil Guggenberger,
Edition Krill.

P.S. Jede Geschichte beginnt mit dem ersten Satz.

So auch unsere – da wir wiederum die Abwechslung lieben, schmücken gleich mehrere erste Sätze unsere Einstiegsseite. Allesamt angelehnt an großartige erste Sätze uns verortender Literatur. Diesmal: Moby Dick von Herman Melville. Im Original lautet es dort: »Nennt mich Ismael.«