Immer Freitag.

Jeden Freitag ein Kleinod, diesmal Ratespiele.

Viele von uns kennen sie, manche von uns lieben sie – Denkaufgaben wie beispielsweise die folgende: Ein Mann sitzt in einem Haus. Alle Wände des Hauses zeigen nach Süden. Er blickt aus dem Fenster und sieht einen Fuchs. Welche Farbe hat der Fuchs?

Oder: Ein Mann kommt mit einem Fuchs, einer Gans und einem Säckchen Mais an einen Fluss. Am Ufer findet er ein Boot vor, das allerdings dermaßen klein geraten ist, dass es nur ihn und jeweils eines der Tiere beziehungsweise das Säckchen Mais mit einem Mal befördern kann. Jetzt möchte der Mann aber weder den Fuchs mit der Gans noch die Gans mit dem Mais unbeaufsichtigt lassen, denn das eine hätte das andre sofort gefressen. Die Frage scheint hier auf der Hand zu liegen: Wie schafft der Mann es trotzdem, alle drei unversehrt über den Fluss zu bringen?*

Vielmehr würde uns aber interessieren: Was tut der Mann mit Fuchs, Gans und Mais, und warum will er mit ihnen auf die andere Seite des Flusses?
Davon einmal abgesehen: Warum wird man beständig dazu angehalten, anderer Leute Probleme zu lösen? So wie hier der gute Mann in seiner Verwirrung und Hektik scheinbar alles griff, was es zu greifen gab, dann klagend dasteht am Ufer, der Esel!, und nicht ansatzweise weiß, wie er das denn anstellen soll mit der Überfahrt. Was tut er? Er gibt die Verantwortung ab, lässt die Schultern nach vorne sinken, knickt im Rücken ein und stiert uns hilfesuchend an! »Lieber vorher einmal mitdenken, mein lieber Freund«, möchte man ihm da an den Kopf werfen! (Und überhaupt: Wo hat er eigentlich den Fuchs her, der Schlingel?)
Und auch davon einmal abgesehen: Es scheint doch einigermaßen absurd, dass sich Menschen lieber den Kopf zerbrechen und das Hirn zermartern, um für den Mann eine durchführbare Transportabfolge auszuklamüsern, als sich die Mühe zu machen, ihn auf die Brücke hinzuweisen, die keine dreihundert Schritte flussabwärts das Wasser quert. Fehlt hier der Mut zur Praktikabilität?

Apropos: Nachfolgend die Antworten auf die eingangs gestellten Rätselfragen, sollten sie in der Zwischenzeit nicht bereits mithilfe einer Suchmaschine beantwortet worden sein:
Die auf den ersten Blick ein wenig albern anmutende Frage nach der Farbe des Fuchses lässt sich durchaus ernst betrachten und freilich auch lösen. Ein Euzerl Logik, ein Schuss Weltsicht, ein Tupfen Geografie, fertig: Alle Wände zeigen nach Süden? Das Haus steht am Nordpol! Der Fuchs muss demnach ein Polarfuchs sein und wäre somit weiß.
Die Lösung der zweiten Denkaufgabe besteht darin, zuerst die Gans überzusetzen und diese nach der zweiten Fahrt wieder ans Ausgangsufer mitzunehmen. So ist die Gute stets außer Gefahr – gefressen zu werden oder aber am Mais zu ersticken.

Bleibt als kleine Fleißaufgabe: Welche Farbe hat das Boot?


Anmerkung: Bei nüchterner Betrachtung der Parameter solcher Rätsel (im Sinne von Annahmen, also Zuweisungen für einen speziellen Fall) offenbart sich klar deren theoretische Natur: Es ist ein Vorurteil, dass Füchse Gänse fressen und Gänse nicht von Mais lassen können. Auch steht am sogenannten Nordpol kein Haus. Und nur schwerlich würde davor ein Polarfuchs vorbeispazieren, denn Nahrung fände er dort keine.
* So auf der Hand liegt die Frage indes gar nicht. Bei genauerer Betrachtung erinnert ihr Wesen ein wenig an die römische Göttin Furina – auch sie wird nicht näher beschrieben, ihre Funktion ist unbekannt. Möglich, dass Furina insgeheim die Göttin solcher Fragen ist.
 


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Was ist das? ·

 

No. 209