| Immer Freitag.
Jeden Freitag ein Kleinod, diesmal heften wir uns an die Fersen davoneilender Ideen.
Es liegt in der Natur guter Einfälle, dass sie gerne unvermittelt auftreten, aber ebenso rasch auch wieder verschwinden. Dabei scheint es ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass sich die besten Ideen immer dann einstellen, wenn man a) nichts zum Aufnotieren bei sich trägt. b) sich in einem gelösten Zustand befindet etwa bei einem Spaziergang am Wasser, einer Zugfahrt ins Grüne oder kurz vor dem Einschlafen. c) a) plus b) die denkbar ungünstigte Voraussetzung, um spontane Eingebungen zu behalten. Nehmen wir beispielsweise die gute Idee, die während des Einschlummerns auftritt: Tückisch hierbei ist, dass man den Armen Morpheus' bereits anheimfallend sich vom Irrtum locken lässt, die Erinnerung an den guten Einfall ließe sich ohne weiteres bewahren und bis zum Morgen hinüberretten. Nicht selten ist die Idee hier aber längst schon vergessen.* Wie nun dies unterbinden? Das in Voraussicht hingelegte Schreibzeug am Kopfende des Bettes hilft lediglich, wenn man es schafft, trotz der wohligwarmen Umgebung Disziplin zu zeigen und zur Bewahrung der Idee den Moment des Einschlafens hinauszuzögern. Das kommt einem coitus interruptus gleich: sich den Liebkosungen des nahenden Schlafes zu entziehen und sich aufzurichten, Licht anzudrehen, niederzuschreiben. Das stört die intime Stimmung. Eine etwas sanftere, weniger eingriffige Methode ist es, sich zur Erinnerung an die eigentliche Idee eine Erinnerung ans Erinnern zu bereiten, wie eine Eselsbrücke. Das kann ein Knoten im Polsterzipfel genauso sein wie eine verdrehte Nachttischlampe, eine ungewöhnlich hingelegte Brille oder ein ungewöhnlich hingestelltes Buch. Das Knoten, Verdrehen oder Umlegen kann ohne viel Aufhebens im Finstern geschehen, ohne das Zudriften auf den Schlaf empfindlich zu stören. Am nächsten Morgen erinnert nun die Abweichung von der Norm daran, dass es zu erinnern gilt, was es zu erinnern gab. Mit etwas Geschick und Übung wird dieser kleine Erinnerungszipfel Halt geben, wie ein Karabiner, in den man sich einklinkt, in den Klettergarten der Gedanken einsteigt und sich assoziierend zurückhangelt bis zur ursprünglichen Idee. Und hätte jemand gestern Nacht nicht einen Federhalter an der Bettkante ausbalanciert, hier stünde heute nichts darüber zu lesen quod erat demonstrandum. |
* Es ist ein zweifelhaftes Glück, wenn von der guten Idee ein Nachklang bleibt; man sich am Morgen dunkel daran erinnert, dass da etwas war, an das man sich erinnern wollte. Aber dazu kommen wir gleich im Text nebenan. |
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Jeden Freitag den Freitag frei Haus. Regelmäßig den Regeln gemäß. Ratlos? Frag' den Freitag: |
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